„Als der vierte Platz aufgerufen wurde, war klar: Wir haben eine WM-Medaille!“
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- Erstellt: Montag, 26. Oktober 2026 15:16
- Geschrieben von presseteam tsc dancepoint königsbrunn
Marion und Gerhard Funk gewinnen bei der
Weltmeisterschaft der Senioren IV Standard in Elbląg Bronze. Im Gespräch mit dem Presseteam des TSC dancepoint erzählen sie von sechs intensiven Runden, ihrem ersten WM-Finale und einem außergewöhnlichen Wochenende. 105 Paare aus 19 Nationen, sechs Runden und am Ende ein Platz auf dem Podium. Für Marion und Gerhard Funk wurde diese Weltmeisterschaft zum bislang größten Erfolg ihrer Tanzsportkarriere. Begleitet wurden sie vor Ort von ihrem Trainer Bogdan Ianoși.
„Das Finale hielten wir für realistisch“
Nach zahlreichen Final- und Podestplätzen gingen Marion und Gerhard als Weltranglistenzweite in die WM. Dass eine Ranglistenposition noch nichts garantiert, zeigte sich in Elbląg. Selbst das führende Paar der Weltrangliste verpasste mit Platz sieben das Finale.
Presseteam: Ihr seid mit dem Ziel WM-Finale nach Elbląg gefahren. Wie realistisch war das für euch?
Marion: „Nach unseren vielen Finalteilnahmen und Treppchenplätzen in diesem Jahr hielten wir es für durchaus machbar, diesmal ins WM-Finale zu tanzen.“
Gerhard: „Finale ja, auf alle Fälle. So selbstbewusst waren wir. An einen Podiumsplatz bzw. Medaille zu denken, haben wir uns jedoch nicht getraut. Umso größer war hinterher unsere Freude.“
„Man weiß es einfach nicht“
Während des Turniers konnten Marion und Gerhard ihre Kreuze nicht einsehen. Wie gut ihre Leistungen tatsächlich bewertet wurden, wussten sie deshalb nicht.
Presseteam: Merkt man selbst, wenn es außergewöhnlich gut läuft?
Marion: „Das ist eigentlich das Schlimmste: Man weiß es nicht. Die Kreuze sehen wir während des Turniers nicht. Man muss sich auf das eigene Gefühl verlassen, und das kann durchaus trügen.“
Gerhard: „Im Semifinale dachte ich, das war jetzt richtig gut. Aber sicher sein kannst du dir nie. Deshalb war es eine echte Erlösung, als feststand, dass wir im Finale sind.“
Neuer Look für die entscheidende Phase
Presseteam: Marion, du hast zum Semifinale das Kleid gewechselt. Was hat dich dazu veranlasst?
Marion: „Ich hatte mich schon in das neue Kleid verliebt, als ich es zum ersten Mal im Netz gesehen habe. Es ist wie neu und wurde gerade mal zweimal von der amtierenden Weltmeisterin im Standard (Adult) getragen. Als es kurz vor unserer WM zum Verkauf angeboten wurde und ich den Zuschlag bekam, war ich völlig hin und weg. Und dann passte es wie angegossen. Wir mussten nicht die kleinste Änderung vornehmen. Mit so einem Hammerkleid in ein WM-Semifinale und später sogar ins erste WM-Finale zu gehen, gibt einem noch einmal einen richtigen Push. Man fühlt sich einfach großartig darin.“
„Oh, ich glaube, ihr seid im Finale!“
Mit 36 Kreuzen hatten Marion und Gerhard das zweitbeste Semifinalergebnis erzielt. Davon wussten sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nichts. Entscheidend war zunächst nur, ob es gereicht hatte, unter den besten sechs zu sein?
Presseteam: Als die sechs Finalpaare bekannt gegeben wurden. Wie war dieser Moment?
Gerhard: „Bogdan schaute uns an, lachte und sagte: ‚Oh, ich glaube, ihr seid im Finale!‘ Ich habe sofort im Turnierplan nachgesehen. Und tatsächlich, wir waren dabei! Als wir dann sahen, dass wir auch noch als einziges deutsches Paar das Finale erreicht hatten, war das schon ein Wahnsinnsmoment.“
Marion: „Wir drei haben richtig laut gejubelt. Mein Puls ging noch einmal ordentlich nach oben, und ich glaube, ich habe auch ein paar Tränchen verdrückt.“ lacht „Wir hatten so lange darauf hingearbeitet, und plötzlich war es geschafft.“
„Wir wollten es zu unserem Finale machen“
Das große Ziel war erreicht. Nach drei Weltmeisterschaften mit jeweils einem Viertelfinale standen Marion und Gerhard zum ersten Mal unter den besten sechs der Welt.
Presseteam: Wie seid ihr in dieses erste WM-Finale gegangen?
Gerhard: „Mit derselben Lockerheit wie vorher. Unsere Trainer haben uns über Jahre eingebläut, dass wir im Finale nicht plötzlich versuchen sollten, noch mehr herauszuholen. Dann macht man schnell zu viel und verliert genau diese Lockerheit.“
Marion: „Wir wollten unser erstes WM-Finale genießen und es zu unserem Finale machen. Aber natürlich kommt irgendwann der Gedanke, wenn wir schon unter den besten sechs sind, könnte auch ein Treppchenplatz möglich sein.“
Im Langsamen Walzer, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstep belegten Marion und Gerhard jeweils Rang drei, im Tango Rang vier. Nur wussten sie davon zu diesem Zeitpunkt noch nichts.
„Das war der Hammer“
Bei der Siegerehrung wurden die Platzierungen rückwärts aufgerufen. Sechs, fünf, schließlich vier. Wieder nicht Marion und Gerhard. Damit war klar: WM-Medaille!
Presseteam: Was geht einem in diesem Moment durch den Kopf?
Gerhard: „Das war der Hammer. Du stehst da und begreifst plötzlich, dass du bei einer Weltmeisterschaft zu den besten drei Paaren gehörst und du gleich tatsächlich auf dem Podium stehen wirst.“
Marion: „Wir hatten uns vorher nicht wirklich getraut, von einer Medaille zu träumen. Und dann ist sie da, die Medaille. Diesen Moment vergisst man nicht.“
Fast zehn Jahre gemeinsamer Weg
Die Medaille krönt eine außergewöhnliche Saison. Bayerischer Meister, Vize-Europameister, Platz drei bei der Deutschen Meisterschaft, dazu ausschließlich Finalteilnahmen und vier Siege bei internationalen Turnieren. Hinter dieser Entwicklung stehen viele Jahre kontinuierlicher Arbeit. Auf die WM hatten sich Marion und Gerhard gemeinsam mit ihren langjährigen Trainern Stefanie Ianoși-Pavelić und Bogdan Ianoși intensiv vorbereitet. Neben Technik standen Kondition, Ausdruck, Performance, Übersicht auf der Fläche und mentale Stärke im Mittelpunkt.
Ihr erstes gemeinsames Turnier tanzten Marion und Gerhard am 5. November 2016 in der D-Klasse. Seit rund neuneinhalb Jahren werden sie von Steffi und Bogdan trainiert. Dass die Saison 2026 derart erfolgreich werden würde, war keineswegs selbstverständlich. Von Dezember 2024 bis Mitte November 2025 konnten Marion und Gerhard kein Turnier tanzen und zeitweise kaum trainieren. Gerhard war schwer erkrankt, Marion bekam eine neue Hüfte. Nicht einmal ein Jahr nach ihrer Rückkehr auf die Turnierfläche standen beide nun auf einem WM-Podium.
Presseteam: Wenn ihr heute auf diesen Weg zurückblickt, welche Rolle spielte dabei euer Trainerteam?
Gerhard: „Eine sehr große. Steffi und Bogdan begleiten uns schon seit vielen Jahren. Gerade 2025 haben sie uns mental unglaublich unterstützt und uns immer wieder Mut gemacht, dranzubleiben und diese schwierige Phase zu überstehen.“
Marion: „Und natürlich haben wir danach gemeinsam sehr intensiv daran gearbeitet, wieder auf die Fläche zurückzukommen. Dass wir nach diesem schwierigen Jahr eine solche Saison erleben durften, bedeutet uns deshalb besonders viel.“
Eine Rückreise mit Hindernissen
Nach dem langen WM-Tag blieben nur etwa drei Stunden Schlaf. Dann folgte eine Rückreise mit zwei verspäteten Flügen. Trotzdem wollten Marion und Gerhard noch zur 30-Jahr-Feier des TSC dancepoint.
Presseteam: Warum habt ihr euch das nach diesem Wochenende noch angetan?
Marion: „Am WM-Tag waren wir schon um Viertel vor vier aufgestanden. Nach dem Turnier ging es nach nur etwa drei Stunden Schlaf schon wieder zum Flughafen. Irgendwann waren wir natürlich ziemlich müde.“
Gerhard: „Trotzdem wollten wir unbedingt noch mit unserem Verein feiern. Und Steffi und Bogdan sollten um Mitternacht eine Show tanzen. Die wollten wir auf keinen Fall verpassen. Bogdan hatte einen früheren Flug genommen und war deshalb bereits rechtzeitig zurück. Kurz vor Mitternacht waren wir schließlich tatsächlich im Club.“
Was beide nicht ahnten, dort wartete bereits die nächste Überraschung.
Aus Bronze wurde Silber
Eigentlich wollte der Landestanzsportverband Bayern Marion und Gerhard für ihren Vize-Europameistertitel mit Ehrennadeln in Bronze auszeichnen. LTVB-Vizepräsident Michael Prinzhorn hatte Rede und Nadeln bereits vorbereitet. Dann kam die Nachricht von WM-Bronze. Also musste kurzfristig umgeplant werden. Rede ändern und statt der bronzenen die silbernen Ehrennadeln mitnehmen. Wegen der Flugverspätungen rechnete man allerdings nicht mehr damit, dass Marion und Gerhard rechtzeitig eintreffen würden. Ihre Trainer Steffi und Bogdan nahmen die Auszeichnung zunächst stellvertretend entgegen. Doch kurz vor Mitternacht standen die frischgebackenen WM-Dritten plötzlich im Club.
Presseteam: Ihr wusstet von dieser Ehrung überhaupt nichts. Wie habt ihr die Überraschung erlebt?
Gerhard: „Dem LTVB und unserem Vereinsvorstand, allen voran Udo Wendig, ist eine echte Überraschung gelungen. Wir waren verblüfft und gleichzeitig sehr geehrt.“
Marion: „Eine solche Ehrung ist eine sehr persönliche Wertschätzung für die viele Arbeit und Zeit, die man über Jahre in diesen wunderschönen Sport investiert. Nach diesem unglaublichen Wochenende war das etwas ganz Besonderes.“
So konnten LTVB-Vizepräsident Michael Prinzhorn und Vizepräsidentin Sandra Schüssler die silbernen Ehrennadeln schließlich doch noch persönlich überreichen.
Eine kleine Überraschung hatten Marion und Gerhard auch noch in petto
Auch Marion und Gerhard hatten noch etwas vorbereite, nämlich einen ihrer beiden WM-Pokale für Steffi und Bogdan.
Presseteam: Wie kamt ihr auf die Idee?
Marion: „Bei großen Turnieren bekommen inzwischen oft beide Partner einen Pokal. Als Ehepaar reicht uns natürlich einer.“ lacht „Da war schnell die Idee geboren, den zweiten Steffi und Bogdan zu schenken.“
Gerhard: „Damit wollten wir einfach Danke sagen. Für die langjährige sportliche Zusammenarbeit, aus der längst eine Freundschaft geworden ist, und ganz besonders für 2025. In dieser schwierigen Zeit haben uns Steffi und Bogdan mental unglaublich unterstützt, Mut gemacht und immer wieder motiviert, dranzubleiben.“
Vom WM-Podium nach Blackpool und weiter?
Presseteam: Letzte Frage, welchen Traum möchtet ihr euch im Tanzsport noch erfüllen?
Marion: „Ich möchte unbedingt einmal in Blackpool tanzen. Das ist ein großer persönlicher Traum.“
Gerhard: „Da haue ich noch einen drauf.“ lacht „Jetzt haben wir Blut geleckt. Bronze haben wir schon, aber wenn ich richtig gezählt habe, gibt es auf dem Treppchen noch zwei Plätze weiter oben.“